Trump und die Strafzölle: Ein Kommentar

Handelszölle vorerst nur für China

Die EU kann kurzzeitig aufatmen: Die vom US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump vorgesehen Strafzölle auf Stahl- sowie Aluminiumimporte in der Höhe von 25 bzw. 10 Prozent gelten nicht für die Union. Trump kündigte kurzfristig an, neben der EU auch weitere Länder, wie Südkorea oder Brasilien, von diesen Handelszöllen auszunehmen. Unter der Prämisse, dass das Nordamerikanische Freihandelsabkommen neu verhandelt wird, erhielten Kanada und Mexiko schon früher eine Ausnahme. Durch diese Ausschlüsse wird klar, Trump zielt auf einen konkreten Handelspartner ab: China. Der US-Präsident will China in die Schranken weisen und mittels Strafzölle gegen unfaire Handelspraktiken und Diebstahl geistigen Eigentums ankämpfen. 

Die USA hat neben der immer stärker werdenden Volksrepublik China insbesondere mit einem sehr hohen gesamten Handelsbilanzdefizit, das 2017 knappe 800 Milliarden Dollar betrug, zu kämpfen. Trump sieht offenbar in Strafzöllen eine geeignete Maßnahme, um dieses Defizit künftig zu verkleinern und weiters die US-amerikanische Wirtschaft zu stärken. Das US-Handelsministerium äußerte sich ebenfalls dahingehend, dass die hohe Importquote die einheimischen Produzenten lähmt und vor allem die billigen Importe aus China als Gefahr gesehen werden.

Trump zielt mit seinen Handelszöllen darauf ab, US-amerikanische Arbeiter aus der Stahl- und Aluminiumindustrie gegen den – aus der Sicht der USA – unfairen Handel zu verteidigen. Insbesondere diese Industrien stehen unter starkem Importdruck. Das Handelsministerium stellte fest, dass die Beschäftigung in der heimischen Stahlindustrie in den letzten zwei Jahrzehnten um 35 Prozent eingebrochen ist und die Aluminiumindustrie zwischen 2013 und 2016 knappe 60 Prozent an Arbeitsplätzen einstellen musste.

Schon im Wahlkampf versprach Trump seinen Wählern, die heimische Wirtschaft zu stärken und sieht nun in Strafzöllen eine Möglichkeit, dieses Ziel zu erreichen. Fraglich ist, ob diese Maßnahme zielführend ist und welche Auswirkungen die Handelszölle auf andere Länder haben – zumal der Weg zu den jetzigen partnerschaftlichen Handelsbeziehungen langwierig war. 

Zur Historie der Handelsbeziehungen

Von Selbstverständlichkeit kann keinesfalls gesprochen werden, dass der globale Handel zum aktuellen Zeitpunkt so gut funktioniert und konkurrierende Volkswirtschaften miteinander kooperieren. Die Entwicklung solcher Partnerschaften dauert Jahrzehnte und noch heute werden Verträge und Abkommen stetig verbessert, um die wirtschaftlichen Beziehungen auch weiterhin zu stärken.

Das bekannteste und hierfür relevanteste Handelsabkommen ist das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (engl.: GATT – General Agreement on Tariffs and Trade). Die Grundlage für dieses Abkommen ist aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Situation der Länder nach der ersten Weltwirtschaftskrise gegen Ende der 1920er-Jahre und nach Ende des Zweiten Weltkrieges historisch gewachsen. Der Welthandel musste neu geordnet werden, da sich viele Länder abgeschottet hatten, um (besonders zur Kriegszeit) ihre eigene Wirtschaft zu schützen.

Im Jahr 1948 trat das GATT in Kraft und leistete einen wesentlichen Beitrag zum weltweiten Abbau von Zöllen. Ziel des Abkommens war die Förderung der weltwirtschaftlichen Entwicklung und des Wohlstands durch den Abbau von Handelshemmnissen und die Schlichtung von Handelskonflikten. Auch die Erreichung einer Vollbeschäftigung sowie die Verbesserung des Realeinkommens und die Steigerung der Produktion und des Austauschs der Waren standen im Fokus des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens.

In mehreren Verhandlungsrunden konnten Handelszölle wesentlich gesenkt werden und bis 1993 betrug der Durchschnittszoll lediglich fünf Prozent für verarbeitete Güter und verstärkte dadurch die internationalen Handelsbeziehungen.

Das GATT wurde 1995 durch die Welthandelsorganisation (engl.: WTO – World Trade Organization) abgelöst, die mit heutigem Stand 164 Staaten als Mitglieder zählt. Die WTO verfolgt als primäres Ziel den Abbau aller Hemmnisse, die den weltweiten Handel behindern.

Diese jahrelangen Bemühungen könnten nun durch Trumps Strafzölle zunichte gemacht werden und auch wenn viele Länder kurzzeitig aufatmen können, da jene von den Handelszöllen bis Anfang Mai 2018 verschont bleiben, haben diese Strafzölle trotzdem negative Auswirkungen für zahlreiche Industrieländer.

Mögliche negative Auswirkungen

Preiserhöhungen für US-Amerikanische Konsumenten

Leidtragende werden US-amerikanische Konsumenten sein, die durch die neuen Strafzölle mit steigenden Preisen rechnen müssen. Dies mag zunächst für viele überraschend klingen. Wie lässt sich das erklären? Zukünftig müssen chinesische Unternehmen bei Import ihrer Stahl- und Aluminiumprodukte einen gewissen Prozentsatz ihres Verkaufserlöses an die USA abgeben. Infolgedessen werden sich für chinesische Unternehmen die Margen verkleinern, weshalb sich die Verkaufspreise der erzeugten Produkte erhöhen werden, um auf dem gleichen Niveau zu bleiben. Folglich wird der US-amerikanische Abnehmer höhere Preise für Stahl- und Aluminiumprodukte zahlen, wodurch die eigene Marge wiederum sinkt. Um dem entgegenzuwirken, wird auch der US-amerikanische Abnehmer seinen Verkaufspreis erhöhen. Am Ende der Kette steht der Konsument, der für das Endprodukt einen erhöhten Preis (mindestens in der Höhe des anteilsmäßigen Strafzolls) zu zahlen hat.

Überschussangebot in Europa

Es ist fraglich, ob chinesische Produzenten durch die für sie exklusiv auferlegten Strafzölle weiterhin diese Menge an Stahl und Aluminium in die USA verkaufen werden. Es ist davon auszugehen, dass die Importquote sinken wird. Das führt dazu, dass chinesische Unternehmen neue Märkte erschließen bzw. auf bestehenden Märkten ihr Angebot erhöhen müssen, um nicht auf den eigenen Produkten sitzen zu bleiben. Die Gefahr für Europa liegt darin, dass chinesische Unternehmen ihr Angebot an Stahl- und Aluminiumprodukten auf dem europäischen Markt ausweiten wird und dadurch ein Überschussangebot folgt. Hinzu kommt, dass chinesische Unternehmen dafür bekannt sind, ihre Produkte zu Dumpingpreisen anzubieten. Die Preise sind oftmals so niedrig, dass inländische Produzenten nicht mitziehen können.

Verminderte Produktion und Arbeitsplatzabbau

Ein Überschussangebot an Stahl und Aluminium am europäischen Markt führt zu weiteren negativen Auswirkungen. Werden am Markt mehr Produkte angeboten, als nachgefragt werden, so können Produzenten ihr gewinnmaximales Angebot nicht mehr absetzen. Durch das Überschussangebot wird der Marktpreis sinken und schädigt durch höhere Produktionskosten europäische Unternehmen mehr als chinesischen Unternehmen. Chinesische Produzenten können hingegen auch mit Dumpingpreisen ihre Güter gewinnbringend verkaufen. In weiterer Folge müssen europäische Unternehmen ihre Produktion hinunterfahren. Dies führt dazu, dass Umsätze einbrechen und geplante Zahlen nicht mehr erreicht werden können, wobei Fixkosten, wie Personalkosten, bestehen bleiben und im schlechtesten Fall nicht mehr gedeckt werden können. In weiterer Folge wird die Arbeitsnachfrage seitens der Unternehmen eingeschränkt und führt dadurch zu Arbeitsplatzverlusten und zu einer verschärften Situation am Arbeitsmarkt.

Gefahr eines Handelskrieges

Die Auferlegung von Strafzöllen auf Stahl und Aluminium führt zu einem angespannten Verhältnis zwischen den Ländern. Auch die EU, die nun kurzfristig von Zöllen ausgenommen ist, hat mit Gegenmaßnahmen gedroht. China kündigte mittlerweile an, US-amerikanische Importe ebenso mit Zöllen zu belegen. Des Weiteren bereitet China eine Klage gegen die USA bei der WTO vor. Die ersten Weichen eines Handelskrieges sind demnach gelegt, wobei ein Handelskrieg insbesondere für die USA brisant wäre: Die Vereinigten Staaten lassen in China viele Einzelteile produzieren; vor allem im Elektroniksektor ist China als Produktionsland ein sehr wichtiger Partner. Sollten durch den Handelskrieg bestehende Handelsbeziehungen aufgelöst werden, würde sich für die USA ein gewaltiges Problem entwickeln.

Fazit

Parolen, wie „America First“ und „Make America Great Again“, spiegeln Trumps Intention hinter den neu auferlegten Straffzöllen eindrucksvoll wider. Ob diese Maßnahme jedoch greift, um die US-Wirtschaft wieder anzukurbeln, ist wieder eine andere Sache. Die Welt ist heute auf dem (bisherigen) Höchststand der globalen Vernetzung und Verflechtung der internationalen Handelsbeziehungen. Eine Abschottung der US-amerikanischen Wirtschaft mittels Einführung der Handelszölle ist wahrscheinlich nicht der zielführendste Lösungsansatz. Auch wenn die US-amerikanische Stahl- und Aluminiumindustrie eingebrochen ist, so ist nicht gewährleistet, dass diese heimischen Industrien durch Strafzölle wieder aufgewertet werden. Der Gesamtschaden könnte durch einen Handelskrieg viel höher ausfallen, als dass in der US-amerikanischen Stahl- und Aluminiumindustrie neue Arbeitsplätze geschaffen werden oder das Handelsbilanzdefizit gesenkt wird. Industrieländer schaffen sich durch Kooperationen gegenseitige Vorteile. Schon allein die Spieltheorie zeigt mit seinem Gefangenendilemma, dass Länder von gegenseitigen Kooperationen profitieren (Erklärung zum Gefangenendilemma: hier). Entscheidet sich die USA jedoch gegen die fortwährende Kooperation, so wird sich auch China querstellen, da die Volksrepublik sonst das Nachsehen hätte.

In den vergangenen Jahrzehnten haben sich viele Länder dafür eingesetzt, Handelszölle und -hemmnisse zu verringern, um die weltweiten Handelsbeziehungen zu stärken. Vor allem Industrieländer haben erkannt, dass ein Miteinander ihre eigene Wirtschaft und somit den gesellschaftlichen Wohlstand stärkt, als sich gegenüber den anderen Ländern abzuschotten und Partnerschaften mit einer ablehnenden Haltung entgegenzutreten. Wenn nun ein Staat wie die USA beschließt, Strafzölle einzuführen, wird unvermeidlich eine Kettenreaktion in Gang gesetzt und dies könnte Länder weltweit, nicht zuletzt die USA selbst, ernsthaft schaden.

LITERATUR

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