Gefangenendilemma: Kooperation als Ausweg im Kampf für den Klimaschutz?

Pariser Klimaschutzabkommen

Zahlreiche Aussagen sind vorhanden, in denen US-Präsident Trump den Klimawandel immer wieder verneint und nicht müde wird zu betonen, dass sich die Erde nicht mit dem Problem der zunehmenden Erderwärmung konfrontiert sieht. Auch wenn Trump nicht an den Klimawandel glaubt, zeigen etliche wissenschaftliche Ergebnisse, dass die Welt diesem Problem trotzdem ausgesetzt ist. Um den verheerenden Folgen des Wandels entgegenzuwirken, muss schnellstmöglich gehandelt werden. So einigten sich Ende Dezember 2015 erstmals 195 Länder auf ein allgemeines, rechtsverbindliches weltweites Klimaschutzübereinkommen, welches ein Jahr später auch in Kraft trat. Das Pariser Übereinkommen bringt zum ersten Mal alle Nationen zusammen, um gemeinsam an globalen Klimazielen zu arbeiten.

Das primäre Ziel des gemeinsamen Übereinkommens ist es, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Damit die Ziele des Abkommens auch durch alle Länder erreicht werden können, werden Entwicklungsländer durch Industrieländer finanziell und technologisch unterstützt und erhalten ebenso deren Wissen beim Umgang mit klimawandelbedingten Schäden.

Notwendige Ratifikation

Durch die bloße Einigung der 195 Länder über das Pariser Abkommen sind die einzelnen Staaten jedoch noch nicht an das Übereinkommen gebunden. Vielmehr muss das Abkommen durch jedes Land ratifiziert werden, damit der ausgehandelte völkerrechtliche Vertrag auch für das jeweilige Land verbindlich wird. Dabei ist das Ratifizierungsverfahren national unterschiedlich geregelt.

Bislang haben 172 Länder das Klimaschutzübereinkommen ratifiziert, zu denen auch alle EU-Mitgliedsstaaten gehören. Und doch konnten sich noch nicht alle Länder dazu entschließen, sich dem Abkommen endgültig verbindlich anzuschließen. Die Gründe noch ausstehender Ratifizierungen sind unterschiedlicher Natur; vor allem Industrieländer fürchten vor hohen verpflichtenden Hilfszahlungen.

Genau an diesem Punkt setzt ein grundlegendes Problem des Pariser Übereinkommens an: Auch wenn sich bei Unterzeichnung 195 Länder dem Vertrag angeschlossen hatten, so stand es den Ländern anschließend frei, das Abkommen zu ratifizieren. Auch im Hinblick auf die zusätzlichen finanziellen Mittel, die durch das Abkommen anfallen würden, stehen die Länder vor einer wesentlichen Entscheidung: Steht der gemeinsame Kampf gegen den Klimawandel im Fokus oder sollte doch das eigene Interesse verfolgt werden, um nicht an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren und sich gegenüber den anderen Ländern besser zu positionieren?

Bei dieser Entscheidung geht es aber auch um Vertrauen. Vertrauen darauf, ob sich die anderen Länder dem Vertrag ebenfalls anschließen oder doch ihren eigenen Weg gehen. Am Ende des Tages geht es allen Beteiligten schließlich auch darum, durch eine Ratifizierung nicht schlechter gestellt zu sein. Ein möglicher Ansatz zur Fragestellung, welche Strategie für die Länder die beste Option ist, kann mithilfe der Spieltheorie erklärt werden.

Das Gefangenendilemma

Eines der bekanntesten mathematischen Spiele aus der Spieltheorie ist das Gefangenendilemma, das oftmals zur Beschreibung vieler ökonomischer (aber auch nicht-ökonomischer) Situationen herangezogen wird. Auch internationale Beziehungen und strategische Entscheidungen einzelner Länder können durch das Gefangenendilemma erklärt werden. Dieses Standardmodell kann in einer einfachen Betrachtung zur Analyse beitragen, weshalb sich Länder im Bezug auf die Ratifizierung des Klimavertrags so unterschiedlich entschließen.

Betrachten wir eine einfache Matrix, bestehend aus zwei Spielern, die zwischen den Strategien „kooperieren“ (Kooperation) und „nicht-kooperieren“ (Defektion) wählen können. In den einzelnen Feldern sind die jeweiligen „Gewinne“ angegeben, die sich aus den Entscheidungen der jeweiligen Spieler ergeben:

Gefangenendilemma Tabelle

Wie hoch der Gewinn des einzelnen Spielers ausfällt, hängt in diesem Fall nicht nur von der eigenen Wahl, sondern auch von der strategischen Entscheidung des anderen Spielers ab. Den Gewinn beider Spieler betrachtend, fällt dieser gesamtheitlich am profitabelsten aus, wenn beide Spieler kooperieren (beidseitige Kooperation; Gewinn: P/P). Hierbei ist das Problem jedoch, dass sich beide Spieler (A + B) auf die Kooperation des jeweils anderen Spielers verlassen müssen. Beispielsweise würde Spieler A, der sich nicht an eine Kooperation hält, profitabel aussteigen, während Spieler B schlechter aussteigt (Spieler A erhält 1 < T < 2, Spieler B erhält 0).

Entscheiden sich die Spieler für eine Strategie unabhängig der Entscheidung des anderen Spielers, so ist die beste Wahl die Defektion, da der Spieler immer einen hohen Gewinn erhält, unabhängig davon, wie sich der andere Spieler entscheidet. Diese Art der Entscheidung wird auch dominante Strategie genannt.

Bei der dominanten Strategie berechnen beide Spieler jegliche Strategiekombinationen und wählen für sich die Strategie, die ihnen den höchsten Gewinn bringt, ohne von der Entscheidung des anderen Spielers abhängig zu sein. In der Strategiekombination „Defektion/Defektion“ ist das Nashgleichgewicht (= in dieser Situation kann keiner der Spieler sich durch eine Änderung seiner Wahl verbessern) erreicht. Das Besondere an dieser Situation ist, dass hier zwar ein Gleichgewicht vorliegt, aber eine wechselseitige Kooperation beide Spieler besser stellen würde.

Dieses einfach dargestellte Beispiel des Gefangenendilemmas gewinnt natürlich noch an zusätzlicher Komplexität, sobald mehrere Akteure daran beteiligt oder weitere Entscheidungsmöglichkeiten gegeben sind.

Individuelles versus kollektives Interesse

Aber was hat nun das dargestellte Gefangenendilemma mit dem Pariser Übereinkommen zu tun? Nun, es kann als modellhafte Erklärung dazu dienen, welche Strategien die einzelnen Länder fahren und wieso sich noch nicht alle zur Verbindlichkeit des Abkommens durch die notwendige Ratifizierung bekannt haben.

Jedes einzelne Land auf der Erde verfolgt seine eigene Strategie bzw. seine eigenen Interessen, um sich Wohlstand zu verschaffen und sich auch gegenüber den anderen Staaten besser zu positionieren. Trotzdem hat man es Ende 2015 gemeinsam geschafft, sich für Maßnahmen gegen den Klimawandel auszusprechen und etwas gegen die stetige Erderwärmung zu tun. Mit der Umsetzung einzelner Maßnahmen kommen jedoch auch zusätzliche Kosten zum Tragen. Vor allem Länder, die als Industrieländer klassifiziert werden, müssen finanzielle Mittel aufwenden, um Entwicklungsländer zu unterstützen.

Jedes einzelne Land steht somit vor der gleichen Wahl: Kooperiert es mit den anderen Ländern, um gemeinsam zum Umweltschutz beizutragen oder zeigt es sich nicht kooperativ. Bei dieser Entscheidung spielt es auch eine wesentliche Rolle, welchen Nutzen bzw. Gewinn jedes Land durch seine gefahrene Strategie erhält.

Und genau diese Situation kann im Modell des Gefangenendilemmas dargestellt werden: Entschließt sich nun ein Land, dem Abkommen doch nicht zu folgen und dadurch keine notwendigen Maßnahmen zur Abwendung der Erderwärmung umzusetzen (demnach zu defektieren, siehe Abbildung oben), so stellt sich das Land immer besser, unabhängig, wie der andere Spieler (somit die restlichen Länder) seine Strategie wählt. Im besten Fall erhält der Spieler einen „Gewinn“ iHv. T (1 < T < 2). Diese Situation erfolgt genau dann, wenn das Land als Trittbrettfahrer vom Umweltschutz der anderen Länder profitiert und selbst keinen Beitrag leistet.

Das Gefangenendilemma zeigt aber auch, dass eine wechselseitige Kooperation aller Länder zu einem besseren Gesamtergebnis für alle beteiligten Spieler beiträgt. Bei einer gemeinsamen Kooperation würden die Länder zu einem besseren Outcome kommen, als wenn jedes einzelne Land auf eine dominante Strategie setzt (Defektion aller Beteiligten).

Vertrauensvorschuss: Kooperation

Das Gefangenendilemma stellt ein hervorragendes Modell dar, um ökonomisch einfach zu erklären, wieso Kooperationen notwendig sind, um unerwünschte Ereignisse zu vermeiden. Vor allem im Hinblick auf das Pariser Übereinkommen geht es um die Vermeidung der stetig steigenden Erderwärmung. Das Modell zeigt aber auch, wieso nach einer Einigung für jeden einzel nen der Anreiz fortbesteht, von der getroffenen Vereinbarung abzuweichen.

Im Fall des Pariser Übereinkommens geht es um die Problematik zwischen individueller Optimierung der einzelnen Länder versus kollektiver Vernunft. Das Gefangenendilemma kann dann aufgelöst werden, wenn alle Länder miteinander kooperieren und die eigenen Interessen hintangestellt werden. Dies hängt jedoch explizit davon ab, wie stark Kosten und Nutzen zwischen Ländern variieren und ob Kompensation möglich ist. Eine gemeinsame Kooperation ist eine notwendige Lösung im Kampf gegen den Klimawandel. Dennoch muss in dem Fall erst einmal das Commitment aller Länder gegeben sein, die eigenen Interessen zu vernachlässigen und für den so dringenden Umweltschutz einzustehen.

Es muss vor allem auch Vertrauen untereinander geschaffen werden. Vertrauen darauf, dass alle Länder sich am Klimaschutz beteiligen und nicht als Trittbrettfahrer von den Maßnahmen der anderen Länder profitieren. Anderenfalls würden sich immer mehr Länder für die dominante Strategie entscheiden, und ein gemeinsames Abkommen für den Klimaschutz könnte nie umgesetzt werden. Fühlen sich alle Länder dem Umweltschutz verpflichtet und setzen ihre eigenen Interessen hinter das kollektive (hier: globale) Interesse, so können im Kollektiv alle von dem Pariser Abkommen profitieren.

LITERATUR

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